Social Media und Online-Reputation für den beruflichen Wiedereinstieg

Jetzt auch noch twittern? – Wie aus der Social-Media-Skeptikerin Sibylle Würz eine überzeugte und kompetente Nutzerin von Twitter, Facebook und Instagram wurde – und die Leiterin des Porta-Projekts im FCZB.

Anfangs skeptisch: Social-Media-Trainerin Sibylle WürzAm Anfang war ich wenig begeistert

Meine damalige Chefin hatte angeordnet, dass ich ab sofort zwei Tweets pro Woche über mein damaliges Projekt in die Welt zu schicken hätte. Also meldete ich mich bei Twitter an und schaute mich erst einmal um.

Ich fand alles nichtssagend und öde – und irgendwie überflüssig. Und bei diesem schrecklichen Facebook sollte ich mich auch anmelden und irgendwie aktiv werden.

Das ist jetzt zehn Jahre her. Ich habe wirklich lange gebraucht, bis ich in der Social-Media-Welt angekommen bin. Getwittert habe ich damals dann doch lieber nicht.

Heute möchte ich meine sozialen Netzwerke nicht mehr missen

Mittlerweile ist mein Lieblingstool Twitter für mich zu einer Art Fachzeitschrift geworden. Ich habe mich dort mit Menschen aus aller Welt vernetzt, die zu meinen Lieblingsthemen wie #Lernen, #Medienpädagogik, #DigitalLiteracy, #Inklusion oder #Feminismus twittern. Twitter ermöglicht es mir außerdem, an Konferenzen teilzunehmen, ohne dass ich vor Ort sein muss. So schaue ich z.B. nach, was zu Europas größter Digitalkonferenz, der re:publica gepostet wird. Unter dem Hashtag #rp19 finde ich Links zu den Folien der Vortragenden, zum Livestream und zu den Videoaufzeichnungen der Vorträge.

Instagram-Account Ninia LaGrandeMehr als nur schöne Bilder

Facebook interessiert mich ebenfalls in erster Linie beruflich. Ich bin Mitglied in interessanten Gruppen, wie bei den Digital Media Women. Hier unterstützen wir uns gegenseitig mit Rat und Tat und wertvollen Informationen.

Neuerdings nutze ich auch Instagram häufig. Bei näherem Hinschauen präsentiert sich mir dort doch mehr als die glatte Hochglanzwelt, die Instagram auf den ersten Blick zu sein scheint. Vielmehr werden dort Menschen und Themen sichtbar, die im analogen Leben häufig keine Plattform haben.

Über die Jahre habe ich einen entspannten Umgang mit Social Media entwickelt. Ich nutze diese Medien sehr bewusst. Häufig lese ich vor allem, was andere schreiben. Wenn mir aber etwas wichtig ist, dann teile und poste ich diese Information sehr gerne. Die Kanäle meines Online-Profils nutze ich dabei ganz unterschiedlich: Twitter nur für Berufliches, Facebook mit einem Touch Privatheit, indem ich ausgewählte Reisefotos poste. Und Instagram entdecke ich gerade. Dort poste ich Fotos von allem, was mir begegnet, was ich schön finde und was ich mit anderen teilen möchte.

Informationsmanagement und Datenschutz

Beim Erkunden und Heimischwerden in diesen Netzwerken habe ich gelernt, wie ich mit den Massen an Information umgehe, die da plötzlich auf mich einströmen. Sehr erhellend war und ist für mich auch die Beschäftigung mit dem Thema Datenschutz. Ohne meine Social-Media-Aktivitäten hätte ich mich damit sicherlich nur am Rande beschäftigt. Doch nicht nur für Social-Media-Nutzerinnen ist Datenschutz zentral. Er betrifft alle Bürger*innen – auch die, die niemals einen Computer oder ein Smartphone anfassen würden.

fight-for-your-right-Bild 10 Jahre netzpolitik.org, Foto von Melanie Twele. CC BY-SA 2.0

Ab Juni: Fortbildung im FCZB

Mein Wissen und meine Erfahrung teile ich bei einer im Juni beginnenden Fortbildung im FCZB. Gemeinsam mit meiner Kollegin Kerstin Dankwerth begleite ich Frauen nach einer gesundheitsbedingten Auszeit dabei, die Welt der Social Media für sich zu entdecken. Bei unserer Reise durch den Social-Media-Dschungel kann jede herausfinden, ob soziale Netzwerke ihr einen beruflichen Nutzen bringen. Und wenn ja, welche sozialen Netzwerke die richtigen sind.

Wir werden alles gründlich unter die Lupe nehmen und vieles praktisch erproben. Dabei beschäftigen wir uns auch mit den Themen Bildbearbeitung, Informationsmanagement, strategische Nutzung von Social Media, Datenschutz und Urheberrechte.

Unsere Erkundungstour dauert 15 Wochen. Ein- bis zweimal die Woche treffen wir uns im FCZB – sonst online auf unserer Lernplattform oder in den Social Media. Teilnehmen können alle Berlinerinnen unter 65, die nach einer gesundheitlich bedingten Auszeit den Wiedereinstieg in den Beruf suchen. Mitzubringen sind Neugier, Lernlust und viele kritische Fragen. Kosten fallen keine an.

Die Teilzeit-Fortbildung Porta – Medienkompetenzen: Social Media und Online-Reputation beginnt am 05.06. und endet am 18.09.2019. Gelernt wird online mit ein bis zwei Präsenztreffen pro Woche (mittwochs und freitags 14–17 Uhr).

Das Projekt PORTA – MEDIENKOMPETENZEN UND WORK-LIFE-BALANCE FÜR DEN BERUFLICHEN WIEDEREINSTIEG wird gefördert von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales, aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und von der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, Abteilung Frauen und Gleichstellung aus Mitteln des Landes Berlin.