Tschüss Einzelhandel, hallo Büro! Aufbruch mit digitalen Kompetenzen

Einen Flyer hatte Nino in der Hand – und die Info: Bei PORTA können Frauen nach längerer Krankheit die ersten Schritte zurück in Richtung Beruf machen. Da war Nino schon länger raus aus ihrem alten Job. Sie hat ihren Mut zusammengenommen und sich bei PORTA gemeldet.

Wir haben mit Nino darüber gesprochen, warum sie zu PORTA gekommen ist, wie es ihr mittlerweile geht – und weshalb PORTA genau das Richtige für sie war.

Wie sah es bei dir aus, bevor du bei PORTA eingestiegen bist?

Ich komme aus dem Einzelhandel, 13 Jahre habe ich da gearbeitet. Ich bin dann aus dem Einzelhandel raus, weil ich chronisch krank geworden bin: Ich bin nur noch mit Schmerzen zur Arbeit und habe dann meine Schichten durchgezogen. Bis ich eines Tages nicht mehr aus dem Bett kam, mein Akku war leer, ich war wirklich ausgelaugt. Erst war ich krankgeschrieben, dann kam eine sechswöchige Reha. Ich musste mich erstmal ein bisschen stabilisieren.

Danach hat eine Art Orientierungsphase angefangen. Ich habe ein Reha-Verfahren bei der Agentur für Arbeit angefangen und bin seitdem dabei, einen beruflichen Neustart hinzubekommen.

Als es in einem Gespräch mit meinem Reha-Berater um das Thema Computerkenntnisse ging, habe ich gesagt: Oh, da bin ich ganz raus. Ich hatte sehr, sehr geringe Computerkenntnisse. Ich konnte meine E‑Mails lesen und beantworten und Word und Excel hatte ich auch schon mal gehört. Aber ich hatte nie mit Computern gearbeitet.

Da hat mein Reha-Berater gesagt, dass es die Möglichkeit gibt, entsprechende kostenlose Kurse bei einigen Trägern zu machen. Danach habe ich etwas recherchiert und bei der Frauen-Beratungsstelle KOBRA habe ich dann vom Projekt PORTA im FCZB erfahren.

Erst dachte ich: Oh Gott, nach Kreuzberg, das ist ja weit weg, da muss ich ja quer durch die Stadt. Und ich dachte: Ach Gott, ich habe gar keine Ahnung! Und wie sind wohl die anderen Teilnehmerinnen? Vielleicht sind die schon weiter als ich und können viel mehr …

Warum war PORTA dann das Richtige für dich?

Nachdem ich bei der PORTA-Weiterbildung Digitaler Durchblick im Arbeitsalltag die ersten zwei Stunden mitgemacht hatte, wusste ich: Das ist super!

Schon wegen der tollen Trainerinnen, Kerstin und Dana. Und wegen der tollen Kommunikation. Man kann jederzeit Fragen stellen. Und Dana und Kerstin waren wirklich super geduldig – ganz toll. Hut ab vor Menschen, die so gut erklären können und so geduldig sind.

Ich habe bei PORTA gemerkt: Es macht Spaß, am Computer zu sitzen und Dokumente oder etwas anderes zu bearbeiten.

Das gute Gefühl zur Arbeit am Computer habe ich auch dank der Trainerinnen mehr und mehr in mir stärken können. Mit der Zeit habe ich mich immer sicherer darin gefühlt, ab jetzt etwas im Bereich Büro oder Verwaltung machen zu wollen.

Ich weiß jetzt auch: Man muss nicht alles von vornherein zu 100 Prozent können. Das war immer mein Anspruch: Ich muss alles erst mal super können, bevor ich was mache. Aber inzwischen sage ich mir: Jeder hat mal klein angefangen. Wenn ich etwas nicht weiß, dann stehe ich dazu und sage es. Und während ich dabei bin, mir neues Wissen anzueignen, darf ich mir auch mal Fehler erlauben.

Bei PORTA habe ich die anderen Teilnehmerinnen kennenlernen können, viele tolle Menschen! Das war für mich tatsächlich sehr bereichernd. Es gab so einen guten Austausch miteinander und ich habe gesehen: Ich bin nicht allein mit meiner Situation.

Man denkt ja: Jetzt hast du keinen Job, jetzt bist du raus. Das ist ja gesellschaftlich sehr negativ behaftet. Und das macht schon was mit einem. Also das ist nicht ganz ohne und man muss psychisch echt stark sein, um das aufzufangen.

In der Weiterbildung habe ich aber gesehen: Es gibt viele, denen es ähnlich geht, die mit Umbrüchen im Leben und mit Neuorientierung zu tun haben, die vielleicht auch älter sind als ich und die einen ähnlichen Weg gehen wie ich. Das hat mich in dem, was ich mache, bestärkt. Das war total wichtig für mich. Das tat einfach nur gut.

Wo bist du jetzt – nach PORTA?

Ich habe vor, eine Umschulung zu machen, entweder zur Verwaltungsfachangestellten oder im Büromanagement. Da sind Computerkenntnisse ja das A und O. Aber unabhängig davon: egal wo man reingeht, egal, was man macht, man braucht Computerkenntnisse tatsächlich überall.

Im Moment mache ich erst mal die nächsten Schritte im Reha-Verfahren. Aktuell besuche ich eine Berufsorientierungsmaßnahme. Und wenn alles läuft, wie geplant, beginne ich im Januar eine zweijährige Umschulung.

Wieder ins Lernen reinzukommen ist natürlich eine Herausforderung. Mit 20 habe ich wahrscheinlich anders gelernt als jetzt mit 43, und auch mit der Konzentration ist es oft so ein Thema bei mir.

Aber ich bin guter Dinge und ich glaube an mich. Ich denke, ich werde auch das irgendwie gut über die Bühne bringen. Auch, weil es mir super wichtig ist, dass ich wieder einem ganz normalen Alltag nachgehen kann, meine Arbeit habe und für mich mein Geld verdiene.

Natürlich ist das mutig, so eine komplette Umorientierung mit Ende Dreißig zu starten. Aber ich war einfach am Ende, konnte nicht mehr. Mein Körper hat mich quasi dazu gezwungen, dass ich diesen Weg gehe. Und ich bin heute echt dankbar dafür.

Ich kann alle nur von ganzem Herzen ermutigen und sagen: Leute, traut euch, meldet euch bei PORTA! Es gibt ein Beratungsgespräch und jede kann entscheiden, ob sie einsteigt oder nicht. Ihr habt nichts zu verlieren. Wer mutig seinen Weg im Leben geht, kann am Ende nur gewinnen!  

Nino hat 2025 am PORTA-Angebot Digitaler Durchblick im Arbeitsalltag teilgenommen. Wir bedanken uns ganz herzlich bei Nino für das offene Gespräch. Die Antworten haben wir leicht gekürzt und redaktionell bearbeitet.

Für die Illustrationen bedanken wir uns bei Conni Eybisch-Klimpel.

Das Projekt PORTA – NEUE HORIZONTE: AUFBRUCH MIT DIGITALEN KOMPETENZEN wird mit Mitteln des Landes Berlin und der Europäischen Union aus dem Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) in der Förderperiode 2021-2027 gefördert.

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