Von Microsoft Office zu LibreOffice – einfacher als gedacht

In einigen unserer IT-Trainings setzen wir auf Open-Source-Programme – und damit auf digitale Unabhängigkeit. Marie ist routinierte IT-Trainerin, bisher für Programme von Microsoft. Wie der Umstieg auf die Office-Alternative LibreOffice für Marie lief und welche Tipps sie dazu hat, lest ihr hier.

Eine Gruppe beim IT-Training vom FrauenComputerZentrumBerlin.

Im April wurde ich gefragt, ob ich einen Computerkurs in einer Unterkunft für Geflüchtete im FCZB-Projekt für geflüchtete Frauen aus der Ukraine übernehmen möchte. Meine Antwort kam sofort: Ja! Das klang nach einem sinnvollen Projekt, bei dem ich das tun konnte, was ich am liebsten mache: Menschen beim Lernen unterstützen.

Dann kam der kleine Nachsatz: Ach übrigens – die Computer laufen alle mit Linux, und wir verwenden ausschließlich Open-Source-Programme, statt mit MS Office arbeiten wir mit LibreOffice.

Meine spontane Reaktion: Open … was? Was ist das denn? Bis dahin hatte ich mit Linux und Open-Source-Software kaum Berührungspunkte gehabt. Auch wenn ich schon länger als IT-Trainer*in arbeite – ich bin schließlich selbst Quereinsteigerin in die IT. Ursprünglich habe ich Musik studiert. Da meldete sich mein innerer Optimismus zu Wort: Wenn ich dreistündige Opern in einer Fremdsprache auswendig lernen kann, dann schaffe ich es auch, ein neues Computerprogramm zu lernen. Mit ein bisschen Geduld und der Bereitschaft, Neues auszuprobieren, kann man mehr erreichen, als man sich anfangs zutraut.

Drei Dinge haben mir den Einstieg besonders erleichtert:

Tipp 1a: Vorhandene Dateien weiterverwenden

Mein erster Gedanke war: Was ist mit all meinen Unterrichtsmaterialien? Es wird ewig dauern, die alle an LibreOffice anzupassen!
Zum Glück war diese Sorge unbegründet. LibreOffice öffnet Dateien der Microsoft-Programme Word, Excel und PowerPoint in den meisten Fällen problemlos. Ich konnte meine Arbeitsblätter, Präsentationen und Übungen einfach weiterverwenden und musste nur Kleinigkeiten ändern. Das hat mir viele Stunden Arbeit erspart.

Tipp 1b: Vorhandene Übungsmaterialien nutzen

Man muss also nicht alles von Grund auf neu erstellen – manchmal lohnt es sich, zuerst zu schauen, welche guten Materialien bereits vorhanden sind.

Auf der Plattform Easy4Me gibt es beispielsweise viele fertige Übungen zu LibreOffice. Für einen günstigen Lizenzbetrag können die Aufgaben zum Textverarbeitungsprogramm Writer, der Alternative für Tabellenkalkulation Calc und dem Präsentationsprogramm Impress im Training eingesetzt werden.

Tipp 2: Die Funktionen sind das Wichtigste – nicht die Oberfläche

Am Anfang habe ich ständig gedacht: Wo ist denn jetzt diese eine bestimmte Schaltfläche?

Irgendwann wurde mir klar: Ich musste nicht alles neu lernen. Texte formatieren, Tabellen erstellen, Formeln verwenden oder Präsentationen gestalten – all das funktioniert in LibreOffice beinahe wie bei Microsoft Office. Die Werkzeuge heißen manchmal anders oder befinden sich an einer anderen Stelle, aber ihre Aufgaben sind dieselben. Sobald ich aufgehört habe, nach der exakten Microsoft-Office-Ansicht zu suchen, wurde das Arbeiten deutlich entspannter.

Die Benutzeroberfläche des Programms Writer von LibreOffice. Sie sieht der von Microsoft Word sehr ähnlich.

Tipp 3: Die Benutzeroberfläche den eigenen Gewohnheiten anpassen

Den wichtigsten Tipp bekam ich von einer Kollegin: In LibreOffice lässt sich die Benutzeroberfläche anpassen. Mit der Registerkarten-Ansicht ähnelt das Textverarbeitungsprogramm Writer von LibreOffice dem Microsoft-Programm Word überraschend stark. Dadurch fiel mir die Orientierung wesentlich leichter. Und in manchen Fällen sahen die Word-Screenshots in meinen bisherigen Übungsmaterialien der LibreOffice-Benutzeroberfläche sogar so ähnlich, dass ich sie einfach weiterverwenden konnte.

So geht’s: Unter Ansicht auf Benutzeroberfläche klicken und unter Optionen: In Registern auswählen.

Die Umstellung von MS Office auf LibreOffice war einfacher als gedacht

Alle, die sich selbst unabhängiger von den großen Tech-Konzernen machen möchten, kann ich beruhigen: Die Umstellung von Microsoft Office auf LibreOffice war längst nicht so groß, wie ich befürchtet hatte. Schon nach kurzer Zeit konnte ich genauso arbeiten wie zuvor – und mich wieder auf das konzentrieren, worum es eigentlich geht: Menschen digitale Kompetenzen vermitteln.

Ich kann also alle, die darüber nachdenken, einen Kurs mit LibreOffice zu geben oder selbst auf Open-Source-Programme umzusteigen, nur ermutigen: Probiert es aus! Vielleicht werdet ihr genauso positiv überrascht wie ich.