6. #femhubberlin: Netzwerktreffen zur digitalen Zusammenarbeit in Zeiten von Corona

Mittwochabend, 18 Uhr. Schon zum sechsten Mal treffen sich rund 20 Frauen zum #femhubberlin, dem Netzwerk für Frauen und digitale Bildung. Ist also alles wie immer? Nicht ganz, denn die Teilnehmerinnen begegnen sich dieses Mal nicht im FCZB, sondern in einem virtuellen Videokonferenzraum.
Alix Einfeldt hat das Treffen im wahrsten Sinne des Wortes aufge-zeichnet.

6. #femhubberlin zu digitaler Zusammenarbeit in Zeiten von Corona. Graphic Recording von Alix Einfeldt.
Graphic Recording von Alix Einfeldt

Auf der Tagesordnung steht der Austausch über die Arbeit aus dem Home-Office in Zeiten des Corona-Virus: Welchen Herausforderungen stehen wir angesichts der erzwungenen Umstellung auf digitale Kommunikation und Zusammenarbeit gegenüber? Und welche Chancen liegen hier? Und nicht zuletzt: Mit welchen Tools arbeiten wir?

Viele Teilnehmerinnen möchten sich austauschen und vernetzen, einige suchen Unterstützung beim Online-Arbeiten, andere äußern Datenschutzbedenken anlässlich geplanter Corona-Apps oder thematisieren die Doppelbelastung gerade der Frauen, die Kinderbetreuung mit der Arbeit im Homeoffice verbinden müssen.

Wie gelingt digitale Zusammenarbeit?

Etliche Teilnehmerinnen mussten ihre Arbeit fast von einem Tag auf den anderen von analog auf digital umstellen – andere arbeiten „schon immer“ vor allem digital.

Ehemalige Offliner, die jetzt online gehen, machen positive Erfahrungen bei der Umstellung auf digitale Zusammenarbeit – etwa in Form von großer Unterstützung, z.B. via twitter. Außerdem entstehen neue Angebote, Lehrmaterialen werden digital zur Verfügung gestellt und kostenfreie Kurse und Online-Tutorials angeboten.

Das richtige Tool

Notwendig für eine funktionierende Zusammenarbeit in Teams, für Beratungsgespräche und Bildungsangebote sind jetzt gute Videokonferenz-Tools.
Zwar sollte vor der Wahl eines Tools überlegt werden, was man erreichen möchte: Videokonferenzen sind nicht für alles die richtige Lösung, asynchrone Tools eignen sich oft ebensogut. Trotzdem bleibt die Videokonferenz für viele unabdingbar.

„Das Problem ist, dass gerade alle sehr viel Zeit damit verwenden, diverse Tools auszuprobieren“, macht eine Teilnehmerin deutlich: „Im Moment stehen viele Bildungseinrichtungen vor der Situation, entweder ein stabiles Videokonferenztool, in dem wirklich gearbeitet werden kann, zu nutzen, und damit gegen Datenschutzvorgaben zu verstoßen – oder datenschutzkonforme Tools zu nutzen, die nicht wirklich funktionieren und insbesondere Menschen, die technisch nicht gut ausgestattet und nicht sehr IT-kompetent  sind, ausschließen.“

Tipps gibt es trotzdem: Wenn etwa in einem Videokonferenzportal mit passwortgeschützten Räumen gearbeitet wird, kann sich niemand ohne Weiteres einklinken.

Nachhaltig interessante Dynamiken, Lernprozesse, Erfahrungen

Die erzwungene schnelle Umstellung ermöglicht neue Erfahrungen. Für Bildungsarbeiter*inen wird Team-teaching wichtiger, da hier digital fitte Trainerinnen mit Trainerinnen ohne weitreichende digitale Kompetenzen zusammenarbeiten und so digitales Wissen weitergeben können. Besonders in Webinaren bietet sich Team-teaching an – eine Trainerin kann das Webinar anleiten, während eine zweite Fragen im Chat beantwortet.

Und es gibt weitere gute Erfahrungen:

  • Innerhalb von Videokonferenzen ist der Ton verständnisvoller und nachsichtiger als in analogen Besprechungen, ist die Situation doch für die meisten neu – und viele Teilnehmer*innen zu Hause scheinbar entspannter.
  • Trainerinnen und Teilnehmerinnen bilden eine Learning-Community, indem sie gemeinsam lernen, mit den neuen Bedingungen und Tools umzugehen.
  • Online-Meetings sind so unter Umständen hierarchiefreier als analoge Konferenzen.
  • Wo es technisch Probleme gibt, bzw. das Know-how fehlt, kommt es zu mehr direktem Kontakt.

Eine Teilnehmerin berichtet sogar, dass viele Kolleginnen nicht „zum alten System zurückkehren“ möchten.

Herausforderungen und Schwierigkeiten

Dennoch sind aktuell viele Ressourcen nötig, um Tools zu suchen und sicherzustellen, dass die entsprechende Technik bei allen Teilnehmenden funktioniert. An verschiedenen Stellen zeigen sich zudem spezifische Schwierigkeiten:

  • Menschen, denen die Geräte, die Technikaffinität oder der (stabile) Internetzugang fehlen, sind zurzeit benachteiligt.
  • Da viele plötzlich auf digitale Tools angewiesen sind, besteht die Gefahr, eine kritische Sichtweise auf die Tools unter den Gesichtspunkten Datenschutz und Sicherheit zu vernachlässigen.
  • Manche Arbeitgeber*innen verpflichten zur Benutzung eines Tools, gegen das Bedenken bestehen.
  • Tools verändern sich so schnell, dass wenig technikaffine Gelegenheitsnutzer*innen schnell abgehängt werden.
  • Der Digitalisierungsprozess in Schulen ist langsam, die Ausstattung oft sehr schlecht.
  • Es bestehen große Sicherheitsbedenken bei Videokonferenzen, in denen sensible Daten ausgetauscht werden, z.B. mit Ärzt*innen, Therapeut*innen, Beratungsstellen, etc.

Im Bildungsbereich lässt sich zudem, was fürs Präsenzlernen gilt, nicht einfach aufs Online-Lernen übertragen – was die Frage aufwirft, wie sich das Online- vom Offline-Lernen unterscheidet? Und abgesehen vom Wissen ums richtige Tool: Welche digitalen Kompetenzen brauchen wir überhaupt, um in der aktuellen Situation zurechtzukommen?

Was fehlt?

Deutlich wird in der Diskussion die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten – genau wie politischen Forderungen:

  • Nötig sind leicht zugängliche Basisinformationen zu Onlinetools für Organisationen und Personen, die digital bisher nicht gut aufgestellt sind.
  • Nötig sind Weiterbildungen für Trainer*innen und Lehrer*innen.
  • Schulen sollten mit datenschutzkonformen und leicht zu nutzenden Tools versorgt werden.
  • Hardware – Tablets, Laptops, Smartphones – ist mehr denn je Basis für Partizipation – gerade auch für geflüchtete Frauen.
  • Wichtig ist hier eine langfristige Perspektive.

Beim 6. #femhubberlin von den Teilnehmerinnen zusammengetragene Linkliste (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

Zu Lehrmaterialen, kostenlosen Kursen, Tools, Konzepten, …:

Kritisches zur Diskussion um das Videokonferenz-Tool Zoom:

Möglichkeit für Hardware-Spenden:

Zu Alix Einfeldts Zeichenstube: https://alixeinfeldt.de/