Digitale Selbstbestimmung ist keine Frage des Alters. Das Projekt ZUSAMMEN DIGITAL MIT FRAUEN 65+ geht zu Ende

Über 200 Frauen haben bei ZUSAMMEN DIGITAL MIT FRAUEN 65+ gelernt, ihr Smartphone sicher im Alltag zu nutzen. Dabei haben sie auch ihr Selbstvertrauen in Bezug auf die Digitalisierung gestärkt. Das Projekt, mit dem die beiden Trainerinnen Stefanie Schaarschmidt und Daniela Walter in ganz Berlin unterwegs waren, wird in Zukunft fehlen.

Sechs gut gelaunte Teilnehmerinnen einer Lerngruppe aus dem Projekt ZUSAMMEN DIGITAL MIT FRAUEN 65+ mit den beiden Trainerinnen Stefanie Schaarschmidt und Daniela Walter.

Apps und E-Mail, KI und Datenschutz

Wie richte ich mein Smartphone sinnvoll ein? Welche Apps brauche ich wirklich? Wie kommuniziere ich sicher per Messenger oder E-Mail? Und wie navigiere ich durch Browser, Online-Shopping und digitale Bezahlmethoden, ohne in die Falle von Spam oder Phishing zu geraten? Bei ZUSAMMEN DIGITAL standen die Fragen der Teilnehmerinnen im Mittelpunkt, gleichzeitig brachten auch die beiden IT- und Smartphone-Trainerinnen immer wieder Themen ein.

Während der zwei Jahre wurden die Inhalte stetig aktualisiert. Digitale Gesundheitsanwendungen wie das E-Rezept rückten zeitweise in den Mittelpunkt, später gewann die elektronische Patientenakte an Bedeutung. Im letzten halben Jahr tauchten Fragen zu KI immer häufiger auf. Steter Begleiter war das Interesse an Datenschutz und die Frage, wie man diesen alltagspraktisch umsetzt.

16 Lerngruppen zwischen Friedrichsfelde und Heiligensee

Bei ZUSAMMEN DIGITAL MIT FRAUEN 65+ haben insgesamt 127 Frauen an 16 Lerngruppen an Orten in ganz Berlin teilgenommen. Von Rudow bis Heiligensee, von Neukölln über Friedrichsfelde bis Marzahn – jeweils sieben Wochen lang fand das Angebot vor Ort in den Berliner Kiezen statt. In Bibliotheken, in Nachbarschaftsräumen oder bei Vereinen – überall dort, wo lebenserfahrene Frauen ohnehin unterwegs sind, wurde gelernt, gelacht und ausprobiert. Aufsuchende Bildungsarbeit meint manchmal schlicht: Dahingehen, wo die Menschen sind, statt auf sie zu warten. Die Lerngruppen boten dabei einen Raum, in dem Unsicherheiten ganz selbstverständlich sein durften.

Die Trainerin Daniela Walter erklärt bei einer Werkstatt zum Thema digitale Gesundheitsversorgung, was es mit der elektronischen Patientenakte auf sich hat.

12 Werkstätten mit 152 Teilnehmerinnen

Die Werkstätten ergänzten das Projekt als kurze, konzentrierte Lernangebote von zwei bis drei Stunden, offen für ehemalige oder neue Teilnehmerinnen zugleich. Sie richteten sich an Frauen, die keinen mehrwöchigen Kurs besuchen konnten oder sich zu einem einzelnen Thema schlau machen wollten. 152 Frauen nahmen an zwölf Werkstätten teil, dazu kamen zwei spezielle Smartphone-Sprechstunden. Die Themen reichten vom E-Rezept und digitaler Gesundheitsversorgung über KI bis zu Fotobearbeitung oder nützliche Apps und deren Anwendung. Immer gab es Raum für individuelle Fragen und praktische Tipps.

78 Frauen abonnieren den Signal-Kanal des Projekts

Weil viele Teilnehmende nach Kursende weiterlernen wollten, entstand der Signal-Lernkanal des Projekts. Mit monatlichen Posts zu digitalen Themen, Veranstaltungen und Alltagskniffen sind hier inzwischen 78 Frauen dabei. Über 25 Beiträge halten die gemeinsame Lernbewegung lebendig. Nicht-Selbsterklärende Phänomene wie: Was soll eigentlich der neue Kreis bei WhatsApp? wurden dort entzaubert. Aber auch praktische Anleitungen finden sich dort, zum Beispiel zu der Frage: Wie lade ich mir ein PDF herunter?

Die Trainerin Stefanie Schaarschmidt zeigt vier Teilnehmerinnen einer Lerngruppe etwas am Smartphone.

Erfolgsgeheimnisse von ZUSAMMEN DIGITAL MIT FRAUEN 65+

Das Projekt zeigte eindrücklich, was ältere Frauen brauchen, um in der digitalen Welt wirklich anzukommen. Der Einstieg gelang fast immer über das Smartphone, während Tablet und PC nur Nebenrollen spielten. Entscheidend war außerdem der geschützte Lernraum, sprich, dass das Angebot von Frauen für Frauen zu den Teilnehmerinnen in deren Kieze kam. Dort konnten Unsicherheiten offen ausgesprochen werden. Viele Teilnehmerinnen erklärten, dass sie ein nicht-aufsuchendes Angebot nicht wahrgenommen hätten.

Die Gruppen waren meist heterogen. Völlige Anfängerinnen lernten zusammen mit regelmäßigen Smartphone-Nutzerinnen. Gelingen konnte das mit flexiblem Arbeiten, langsamem Tempo und vielen Wiederholungen. Allzu umfangreiche Beschreibungen der Angebote oder zu schnelle Themenwechsel wirkten eher abschreckend.

Neben der Wissensvermittlung spielte der soziale Aspekt eine große Rolle. Austausch, gegenseitige Unterstützung und Peer-Learning stärkten das Selbstvertrauen der Frauen und das Gefühl der Zugehörigkeit zur jeweiligen Gruppe. Barrierearme Räume, gutes WLAN und Zeit zum Ankommen in den Räumlichkeiten und in der Gruppe waren ebenso wichtig wie eine klare Sprache und anschauliche Beispiele.

Vier Teilnehmerinnen von ZUSAMMEN DIGITAL MIT FRAUEN 65+ mit ihren Smartphones.

Digitale Selbstbestimmung: Keine Frage des Alters

Beim gemeinschaftlichen Lernen entstanden bei den Teilnehmerinnen Zuversicht, Mut und echte digitale Handlungskompetenz. Dass das Projekt nun ausläuft, hinterlässt eine große Lücke. Es fehlt nun ein Raum, in dem Seniorinnen begleitet und beraten werden – und sich dabei auch digital ausprobieren können.

Das Projekt ZUSAMMEN DIGITAL MIT FRAUEN 65+ wirkte dem digitalen Gender Gap in der Altersgruppe 60+ gezielt entgegen. In einem empowernden Raum konnten die Frauen ihr Wissen teilen und ihr Selbstvertrauen stärken. Denn digitale Selbstbestimmung ist keine Frage des Alters.


Das Projekt ZUSAMMEN DIGITAL MIT FRAUEN 65+ wurde gefördert aus Mitteln der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.