Code of Conduct – Demokratische KI: Zivilgesellschaft übernimmt Verantwortung

In den vergangenen zwei Jahren hat das FCZB gemeinsam mit über 40 zivilgesellschaftlichen Organisationen am Code of Conduct: Demokratische KI gearbeitet.
Am 12.11.2025 wurde der Code nun offiziell veröffentlicht. Neben den Erstunterzeichner*innen können ihn jetzt weitere zivilgesellschaftliche Organisationen unterzeichnen.

Der Code of Conduct ist die erste zivilgesellschaftliche Selbstverpflichtung für einen verantwortungsbewussten Einsatz von KI-Systemen im deutschsprachigen Raum. Er setzt ein starkes Zeichen: Eine engagierte Zivilgesellschaft übernimmt Verantwortung – gerade jetzt, wo sich KI rasant entwickelt und politische Rahmenbedingungen oft hinterherhinken.

Klare Regeln für KI

Viele von uns nutzen KI im beruflichen Alltag. ChatGPT & Co unterstützen beim Brainstorming, Schreiben, Planen oder Präsentieren. Diese KI-Systeme sind mächtige Werkzeuge, die lästige Routineaufgaben übernehmen und damit zeitliche Ressourcen für die wirklich spannenden Tätigkeiten schaffen können. Richtig eingesetzt können sie dazu beitragen, Grundlagen für ein sicheres, stabiles und inklusives Miteinander zu schaffen, an dem alle Menschen unabhängig von Herkunft, Gesundheit, Alter oder Geschlecht teilhaben können.

Doch es gibt Schattenseiten. So reproduzieren und verfestigen KI-Systeme, die auf großen Sprachmodellen basieren, häufig Vorurteile  und diskriminierende Muster – etwa in der Wiedergabe traditioneller Geschlechterbilder oder beim Racial Profiling in der präventiven Verbrechensbekämpfung.
Die meisten heute dominierenden KI-Systeme gehören einigen wenigen großen Tech-Konzernen in den USA und China. Deren profitorientierte Ziele spiegeln eher nicht das Interesse des Gemeinwohls.  Gleichzeitig nutzen rechtsextreme und libertäre Gruppen KI gezielt, um Desinformation, Hass und Hetze zu verbreiten. Das schwächt unser demokratisches Zusammenleben und vertieft gesellschaftliche Gräben.

Hinzu kommt: Die rasante Verbreitung von KI führt zu unreflektierter Nutzung – in Politik, Verwaltung, Organisationen und im Alltag. In Organisationen, in den der Einsatz von KI-Systemen nicht geregelt ist, greifen Mitarbeitende häufig unabgesprochen und nach individuellem Ermessen auf Tools wie ChatGPT zurück („Schatten-KI“), was Datenschutzrisiken und Unsicherheiten schafft.

Gleichzeitig schwächt die europäische Kommission aktuell zentrale Schutzmechanismen wie die DSGVO und den EU AI Act mit dem Argument, dass Regulierung Innovation behindere. Die Industrie aber auch mehrere Regierungen üben entsprechenden Druck auf die EU aus. Dabei brauchen wir verlässliche Regeln, gerade wenn KI unser gesellschaftliches Fundament berührt.

Hierzu können Nichtregierungsorganisationen einen wichtigen Beitrag leisten. Vor diesem Hintergrund hat D64 - Zentrum für Digitalen Fortschritt das Projekt Code of Conduct Demokratische KI initiiert. Seit 2024 haben über 50 zivilgesellschaftliche Organisationen, u.a. das FCZB, gemeinsam den Code of Conduct ausgearbeitet. Er ergänzt die UNESCO-Ethikrichtlinien und den EU AI Act und ist die erste zivilgesellschaftliche Selbstverpflichtung im deutschsprachigen Raum. Der Kodex bietet Vereinen und anderen NGO klare Orientierung und Hilfestellung für einen reflektierten, verantwortungsvollen und demokratieorientierten Einsatz von KI-gestützten System in ihrer Arbeit und Mitarbeitenden einen klaren Rahmen im Umgang mit KI. Er beruht auf acht Grundprinzipien.

 

Acht Grundprinzipien des Code of Conduct KI

Alle Grafiken: © Studio Pong, mit freundlicher Genehmigung D64

Code of Conduct KI im FCZB

Im FCZB haben wir einen eigenen Code of Conduct zur KI-Nutzung entwickelt:

  • wir schaffen Lernräume für KI-Kompetenzen
  • wir nutzen KI da, wo es sinnvoll ist
  • wir wählen geeignete KI-Tools aus
  • wir überprüfen sorgfältig Ergebnisse, die mit Hilfe von KI erzeugt wurden
  • wir achten auf Datenschutz und prüfen kritisch die Qualität von Trainingsdaten
  • wir bleiben im Austausch zu KI– intern und mit anderen Organisationen.

 

 

Unsere Erfahrungen geben wir gern weiter: in Trainings, Beratungen und in der Zusammenarbeit mit Organisationen, die eigene Leitlinien entwickeln.

Der gemeinsam mit anderen Organisationen entwickelte Code of Conduct: Demokratische KI ist dafür eine hervorragende Grundlage.

Seid ihr dabei? Jetzt hier unterzeichnen!

 

Zusätzlich zum Code of Conduct wurden in Arbeitsgemeinschaften drei flankierende Whitepaper und ein Methodenkoffer erarbeitet, mit praxisnahen Empfehlungen für einen informierten und reflektierten Einsatz von KI in Vereinen und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen:

KI & Freiheit 

KI & Gerechtigkeit

KI & Solidarität: Methodenkoffer zu Implementierung eines Code of Conduct zu einer reflektierten und ethisch fundierten Nutzung von KI: Wird im Dezember veröffentlicht.

 

Blogbeitrag von Sibylle Würz (hat für das FCZB an der Entwicklung des Code of Conduct Demokratische KI mitgearbeitet)