In unserer digitalen Welt sind wir zunehmend auf digitale Werkzeuge und Produkte angewiesen. Da die meisten von uns nicht programmieren können, müssen wir ähnlich wie bei Medikamenten oder Brücken – Anbietern vertrauen, die wir selbst nicht prüfen können. Doch während Medikamente und Brücken strengen Tests unterliegen, bleibt Software oft eine Blackbox. Bei proprietärer (lizenzrechtlich geschützter) Software wie dem Betriebssystem Windows müssen wir den Anbietern glauben, dass die Software das tut, was sie verspricht – nicht mehr und nicht weniger. Und dieses Vertrauen ist nicht immer angebracht: Aufgrund des Werts unserer Daten spioniert uns Software oft systematisch aus und verkauft die gewonnen Erkenntnisse gewinnbringend.
Open Source schafft Basis für Vertrauen
Vertrauen ist unverzichtbar in unserer arbeitsteiligen Welt, in der wir Produkte/Dienstleistungen nutzen, die von hochspezialisierten Expert*innen entwickelt wurden und mit denen wir uns selbst oft nicht auskennen. Deswegen ist die Frage, wem man Vertrauen schenken sollte, eine sehr wichtige. In der Welt der Software gibt es eine bewährte Grundlage für Vertrauen: Open Source.
Open Source Entwickler*innen legen ihren Code offen. So dass alle, die es möchten und können, nachvollziehen können, wie die Software funktioniert. Je nach Lizenz sind sogar die Veränderung und die Weitergabe erlaubt. Bei weit verbreiteten Projekten wie dem Browser Firefox oder dem Betriebssystem Linux gibt es aktive Communities, die den Code prüfen und untersuchen. Sicherheitslücken, die von Hackern für IT-Angriffe ausgenutzt werden, können auf diese Weise besser erkannt werden.
Mehr Kontrolle und Flexibilität für Nutzer*innen
Außerdem ermöglicht es Open Source Software, die Kontrolle über die eigenen Daten zu behalten und sich so der Datensammelwut der Tech-Konzerne zu entziehen. Auch lassen sich Produkte häufig miteinander kombinieren, weil sie frei dokumentierte und herstellerunabhängige Formate und Schnittstellen verwenden. Das erleichtert auch den Wechsel von Anbietern. So kommt es seltener zum sogenannten Vendor-Lock-in, also dem Phänomen, dass man einen Anbieter nicht verlässt, weil man dabei etwa Daten oder Kontakte verlieren würde. Kosten sind so besser planbar und oft auch niedriger. Automatisch kostenlos ist Open Source Code aber nicht. Gerade für Unternehmen ist es oft notwendig, Support oder kostenpflichtige Erweiterungen zu beauftragen.
Stärkung der digitalen Unabhängigkeit
Wir leben in Zeiten von politischen Spannungen und drohenden Konflikten. Viele wünschen sich daher mehr digitale Souveränität und setzen diese mithilfe von Open Source Software um. Die EU hat Open Source Software in ihre Strategie für technologische Souveränität aufgenommen und auch Berlin hat sich eine ambitionierte Open Source-Strategie gegeben. Eine ganze Menge Menschen in der öffentlichen Verwaltung und an anderen Arbeitsplätzen in der Wirtschaft und anderen Organisationen werden künftig Kompetenzen im Umgang mit Open Source Werkzeugen entwickeln müssen.
Zu Open Source wechseln – gemeinsam
Viele zivilgesellschaftliche Initiativen haben gemeinsam den digitalen Unabhängigkeitstag ausgerufen: Jeden ersten Sonntag im Monat kann man sich an vielen Orten in Deutschland dabei helfen lassen, auf „die gute Seite“ zu wechseln, also ein digitales Werkzeug eines großen Konzerns durch eine demokratiefreundliche Open Source Lösung zu ersetzen.
Das FCZB freut sich sehr über diesen Wandel des Zeitgeists und nutzt ihn, um selbst noch mehr auf Open Source umzustellen – intern, aber auch in unseren Weiterbildungen und aktuellen Workshops, die wir anbieten. Am 17.9. veranstalten wir z.B. unser erstes Check IT Praxis-Lab, bei dem zwei FCZB-Kolleg*innen, Nadia Rashwan und Eva Schwaetzer, in einem Show & Tell Format eine Linux-Installation demonstrieren. Sie geben damit auch Einblick in eine typische Arbeitsaufgabe im Berufsfeld Systemadministration.
Regelmäßig berichten wir zum digitalen Unabhängigkeitstag über unsere Fortschritte und geben Einblicke in die Open Source Welt. Die Emanzipation aus unguten Machtverhältnissen und die Entwicklung hin zu mehr Mündigkeit sind schließlich schon lange unsere Themen.
Weiterführende Links
- Berlin Open Source – Warum? Infoportal des Landes Berlin zur Erklärung ihrer Open Source Strategie
- Gefährliche Apps · Im Netz der Datenhändler, Video zur Datenvermarktung, Käufern und Märkten ARD-Mediathek
- Der Digitale Unabhängigkeitstag – Infos, Wechselrezepte und aktuelle Veranstaltungen
- Open Knowledge Foundation Offenes Wissen für die digitale Zivilgesellschaft
- Unsere wachsende Linksammlung zu Open Source (unter dem Menüpunkt Ressourcen)