DigitalAngels – FCZB-Projekt für Mädchen* und junge Frauen* startet durch

Gewalt findet auch digital statt. Mit DigitalAngels hat das FCZB jetzt ein Medienscout-Training für Mädchen* und junge Frauen* entwickelt: 14- bis 19-Jährige lernen, Gleichaltrige für Medienfragen zu sensibilisieren und üben mit ihnen gemeinsam digitale Selbstverteidigung. Projektleiterin Maria Fischer berichtet über den Projektstart und erste Erfolge.

FCZB-Projekt DigitalAngels startet durch. © Catharina Bruns

Die Welt kann nicht mehr in real und virtuell unterteilt werden. Beide Ebenen verschmelzen miteinander – vor allem für junge Menschen. Dabei tun sich neben Chancen auch Gefahren im Netz auf. Besonders Mädchen* und junge Frauen* sind davon betroffen. Oft reagieren sie mit Rückzug aus ihren sozialen Netzwerken. So werden sie aus dem digitalen öffentlichen Raum und damit aus gesellschaftlichen, politischen und demokratischen Diskursen verdrängt.

Der Weg zum Projekt

Im letzten Jahr beantragten wir beim Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge (BAMF) Fördermittel für ein Projekt zu digitaler Selbstverteidigung für Mädchen* und junge Frauen*. Durch die langen Corona-Lockdowns mit monatelang geschlossenen Schulen war das Thema schon damals aktueller denn je.

Zu unserer großen Freude wurde das Projekt DigitalAngels für insgesamt drei Jahre bewilligt. Mit einem kleinen, aber feinen Team aus zwei Personen konnten wir bereits im Januar mit DigitalAngels starten.

Vom Projektstart zur Schulkooperation

Die ersten Monate bestanden aus Vernetzungstreffen, Recherchen zu den Themen der digitalen Gewalt und der Suche nach Kooperationspartner*innen aus der Kinder- und Jugendförderung. Unseren bisher größten Meilenstein erreichten wir Ende Mai, als wir einen festen Kooperationspartner fanden: Wir bieten DigitalAngels in Zusammenarbeit mit dem Hermann-Hesse-Gymnasium als Freizeitangebot für Schülerinnen* der 10. Klassen an.

DigitalAngels-Workshop in der Jugendkunstschule Frixberg © Maria Fischer

Ab August treffen wir uns einmal wöchentlich im FCZB im Herzen Berlins mit den Schüler*innen. Besonders freuen wir uns über das große Interesse und die vielen Anmeldungen. Dabei können nicht nur Schülerinnen* des Hermann-Hesse-Gymnasiums an der Medienscout-Fortbildung teilnehmen. Alle engagierten und motivierten Mädchen* zwischen 14 und 19 Jahren, die ihre Peers zu Medienthemen und Strategien für digitale Selbstverteidigung coachen möchten, sind eingeladen. Die Scouts können sich dafür kleine Aktionen überlegen, mit denen sie auf die verschiedenen Themen der digitalen Gewalt aufmerksam machen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Workshops und Instagram: Digital Angels wird sichtbar

Bis wir mit der großen Medienscout-Fortbildung beginnen, geben wir in mobilen Workshops Einblicke in einige der zahlreichen Themen unserer Fortbildungsreihe. Schnell haben wir festgestellt: Die kurzen Formate kommen bei vielen Mädchen*projekten sehr gut an und werden stark nachgefragt. Im Mai erreichten wir insgesamt 26 Teilnehmerinnen* im Alter von 14–17 Jahren mit Workshops im Mädchen*projekt Café Pink, in der Kinder- und Jugendkunstschule Frixberg und im OSZ Hans-Litten-Schule. Weitere Workshops sind schon geplant. Zu unserer großen Freude fanden alle Workshops bisher in Präsenz statt. Toi, toi, toi, dass das so bleibt! Über die Learnings unserer Workshops berichten wir regelmäßig auf unserem Instagram-Kanal.

DigitalAngels-Workshop im Café Pink © Maria Fischer

Team- und Community-Building: Digital Angels wird groß

Mittlerweile arbeiten vier Kolleginnen im DigitalAngels-Team: Maria Fischer (Projektleitung), Lenza Severin (pädagogische Projektmitarbeiterin), Amina Rayan (Projektmitarbeiterin) und Catharina Bruns (Ehrenamtliche). Dass DigitalAngels auch ehrenamtlich unterstützt wird, zeigt uns, dass wir an einem Herzensthema vieler Frauen* arbeiten. Catha kam über Recherchen zum Thema Dick Pics und deren Auswirkungen auf Frauen im Netz zu DigitalAngels. Mittlerweile füllt sie mit großem Engagement unseren Insta-Account mit visuell und sprachlich ansprechenden Posts und Storys. Gemeinsam arbeiten wir an einer barrierefreien Sprache und versuchen, auch schwierige Inhalte verständlich und interessant zu gestalten.

Neben dem Team wächst auch der Support aus der Community. Immer mehr Vereine und Institutionen aus der Mädchen*arbeit möchten mit uns kooperieren. Der Bedarf an medienpädagogischer Unterstützung ist hier groß. Nicht nur Workshops für Mädchen* und junge Frauen* werden bei uns angefragt, sondern auch Workshops bei Tagungen für Fachkräfte im Bereich der Mädchen*förderung. Im September ist DigitalAngels bei der Fachtagung Digitale Mädchen(t)räume der BAG Mädchen*politik zu Gast. Wir freuen uns schon sehr auf die Möglichkeit, uns überregional mit anderen Akteur*innen der Mädchen*- und Jugendarbeit zu vernetzen.

Vor kurzem wurden Catha und ich von Feminist Shoutout interviewt. Die Aktivistinnen* interviewen Feministinnen* aus Berlin zu dem Thema Frauen* im Widerstand. Bei unserem Interview stand DigitalAngels im Fokus. Dabei habe ich auch verraten, was mit den Mädchen* mein bisher größtes Learning war.

In den nächsten Blogbeiträgen berichten wir über die Herausforderungen der Projektentwicklung zu Pandemie-Zeiten. Außerdem erzählen wir,  welche Erfahrungen wir in den ersten Workshops gemacht haben.

Mehr Informationen über DigitalAngels gibt es auf der Projektseite.

 

*Wir verwenden das Sternchen, um deutlich zu machen, dass hinter den Kategorien „Mädchen“ und „Frau“ vielfältige Identitäten stehen. DigitalAngels ist ein Projekt für alle, die sich als Mädchen* oder Frau* verstehen, es nicht mehr sein wollen oder es gerne sein möchten.


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